Markt­wirtschafts­lehre Teil A

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A.1 Die Kapitalherstellung

A.1.1 Ware – Geld – Kapital
Elementarform des marktwirtschaftlichen Reichtums ist die Ware. Die Ware ist der einfachste Begriff des Gegenstandes der Marktwirtschaftslehre (MWL). Die Zerlegung dieser Elementarform in ihre Formelemente ist folglich der Anfang der Darstellung des Systems der Marktwirtschaft. Jede Ware ist ein (wirtschaftliches) Gut G, das den Wert W hat. Die Güter Gr sind qualitativ so mannigfaltig wie die menschlichen Bedürfnisse, die sie befriedigen können, und sind auf ebenso mannigfache Art quantifizierbar. Hingegen können die Werte Wr (r=1,2,...,n) nur größer oder kleiner sein, weil sie alle ein und die selbe Qualität darstellen: das Gesellschaftliche an den Gütern, die Verkehrsform der Naturalformen. Jede Ware (G,W) ist also ein Gut G von einer bestimmten Wertgröße W. Der Ursprung der Ware (G,W) ist eine Warenproduzierende Arbeit (K,A): sie ist eine ganz bestimmte Konkrete Arbeit K (die schneidert, schustert, tischlert, usw.) mit einer näher zu bestimmenden Größe der Abstrakten Arbeit A, die bei jeder Konkreten Arbeit von gleicher Qualität ist und daher nur Größenunterschiede kennt. Was eine Ware (G,W)1 als Produkt, als erreichtes Ziel, das ist ihre Warenproduzierende Arbeit (K,A)1 als Prozeß, als angestrebtes Ziel. Die Warenproduktion (K,A) ⇒ (G,W) ist die Einheit von Arbeitsprozeß K → G und Wertbildungs­prozeß A → W, also ((K → G),(A → W)) oder: Formel Warenproduktion Die Abstrakte Arbeit A1 ist die selbe Größe in dynamischer Form wie der von ihr produzierte Wert W1 in substantieller Form. A1 haftet untrennbar an der Konkreten Arbeit K1 wie W1 am Gut G1. Die Abstrakte Arbeit A1 ist gesellschaftlich notwendige Zeit der Konkreten Arbeit K1, d.h. ihre Markt­notwendigkeit, und diese kann größer, kleiner oder gleich sein der tatsächlich aufgewandten Zeit Konkreter Arbeit t(K1). Auch Eigenwirtschaften kennen den Unterschied von tatsächlicher und not­wendiger Arbeitszeit, aber in der Eigenwirtschaft ist diese Notwendigkeit keine der Gesellschaft (d.h. des Marktes), sondern eine der Gemeinschaft (d.h. der jeweiligen eigenwirtschaftlichen Einheit). Die Abstrakte Arbeit ist also eine gesellschaftlich notwendige, die im Nachhinein am Markt feststellt, welche Arbeitszeit in einer Branche Durchschnittsarbeit ist und wie groß die benötigte Gesamt­arbeitszeit ist, also das Gesamtangebot einer Warenart, dem eine zahlungsfähige Gesamtnachfrage gegenübersteht:
  • A1 := tnot(K1)
  • gesellschaftlich notwendige Zeit konkreter Arbeit.
Durchschnittsarbeit ist (in Wirtschaftsgemeinschaft wie in Wirtschaftsgesellschaft) Arbeit mit jeweils vorherrschender Intensität (dem Arbeitseifer) I(K) und Produktivität (der Arbeitswirkung) P(K). Beide Größen sind ausdrückbar in der Anzahl der je Arbeitszeit produzierten Güter, wenn die je andere Variable konstant gesetzt wird; bei gleicher Bedingung kann die Abweichung einer einzelnen Intensität oder Produktivität von ihrem Durchschnitt als Verhältnis der tatsächlichen Einzelarbeitszeit zur gesellschaftlich notwendigen ausgedrückt werden, z.B.:
  • I(K1) := tnot(K1) / t(K1)
  • Arbeitswirkung konstant P(K1)=,
  • P(K1) := x(G1) / t(K1)
  • Arbeitseifer konstant I(K1)=.
Die Änderung der Produktivkraft (Produktivität oder Arbeitswirkung) ändert die Wertgröße der ein­zel­nen Ware, also ihre gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, in umgekehrter Richtung, der pro Ar­beits­tag geschaffene Gesamtwert bleibt unverändert, weil die veränderte Arbeitswirkung die auf­ge­botene Arbeitsmenge unverändert läßt. Die Änderung des Arbeitseifers (Intensität) berührt nicht den Wert der einzelnen Ware, der pro Arbeitstag geschaffene Gesamtwert variiert gleichgerichtet, weil die aufgewandte Arbeitsmenge sich ändert. Die gesellschaftliche Sphäre der Waren ist der Markt. Dort begegnet jede einzelne Ware den übrigen Waren und somit der Warenwelt. Die einfachste Form der gesellschaftlichen Beziehung zwischen Waren ist die Schätzung der Wertgröße einer Ware, ausgedrückt in den Gütern, die als Waren im Markt vorhanden sind und als Tauschgüter in Frage kommen. Diese Wertgrößenschätzung einer Ware ist die ein- oder mehrseitige Definition der Wertgröße einer Ware in dem Gut oder der Güter­menge einer anderen Ware und heißt Wertform. Wertformen sind 1. einfach, als Definition einer Wertgröße in einem fremden Gut, 2. total, als Definition derselben Wertgrößen in vielen anderen Gütern und 3. allgemein, als Definition der Wertgrößen aller Waren außer einer im Markt in dem Gut dieser einen Ware:
  • (W1 := G2)
  • einfache Wertform,
  • (W1 := G2...n) oder (W1 := G2) & (W1 := G3) &...& (W1 := Gn)
  • totale Wertform,
  • (W1...n := G0) oder (W1 := G0) & (W2 := G0) &...& (Wn := G0)
  • allgemeine Wertform,
  • (W1 := G0)
  • Preisform (einfach-allgemeine Wertform).
Die Wert­form ist die grund­legende Ent­faltung der Elementar­form, also der Waren­form, die sich in der Wer­tform auf höherer Stufe her­gestellt hat, nämlich als Ein­heit des Gutes einer fremden und der Wert­größe der eigenen Ware. Dieses fremde Gut ist das Äquivalent bzw. bei einfach-allgemeiner Wert­form der Preis. Die Ware, die durch die all­gemeine Wert­form zum all­gemeinen Äquivalent G0und danach in der Preis­form zum Preis gemacht wird, ist all­gemeine Ware oder Geld (G,W)0. Daraus folgt, daß es Geld und Geld­preise ohne Waren­austausch geben kann und daß ein Preis niemals ein Wert, sondern immer ein Gut ist. Der Preis ist wertlos, aber er verkörpert einen Wert. Das nun gebil­dete Geld aber ist eine öffentliche, eine privilegierte Ware, der das Monopol an der einfachen und der totalen Wert­form bleibt. In der Preis­form figuriert das Geld als Wert­maß, als Wert­maßvor­stellung, als Wert­vor­stellungs­­maß, als Wert­vorstellungs­maßvor­stellung und als Preismaßstab, der entweder als Münze (Wert­norm-Gut) oder als bloßes Wert­zeichen (Wertnorm-Fiktiv­gut) auftritt. Wert­zeichen sind wiederum zu unterscheiden in Papier­geld (Norm­träger­zeichen mit Zeichen­norm) und in Buchgeld (Zeichen­­norm auf be­lie­bigem Zeichen­träger). Die Funktionen des Geldes in der Preis­form sind also insgesamt diese:
  • (W1 := G0)
  • Wertmaß,
  • (W1 := iG0)
  • Wert­maß­vor­stellung,
  • (iW1 := G0)
  • Wert­vorstellungs­maß,
  • (iW1 := iG0)
  • Wert­vor­stellungs­maßvor­stellung,
  • (W1 := x(G0)=)
  • Prei­smaßstab (Münze),
  • (W1 := xi(G0)=)
  • Preis­maßstab (Wertzeichen),
  • (W1 := x (iG0)=)
  • Wert­zeichen (Papiergeld),
  • (W1 := (x)=i(G0)=)
  • Wert­zeichen (Buch­geld).
Der Warenaustausch vollzieht sich, wenn seine Bedingungen erfüllt sind:
  • zwei zusammengehörige Wertformen und
  • die Nichtidentität der beiden Güter G1 und G2 und
  • die Gleichheit der beiden Wertgrößen W1 und W2 sowie
  • der wirkliche Händewechsel der Güter G1 und G2 als ihr Realtausch:
[(G,W)1 = (G,W)2] → [(W1 := G2) & (W2 := G1) & (G1 ≢ G2) & (W1 = W2) & (G1 = G2)]. Geld muß seinen Aufgaben nach dreifach betrachtet werden:
  • Geld als Ware,
  • Geld als Geld und
  • Geld als Kapital.
Als Ware unterliegt das Geld allen Zwängen der Waren­pro­duktion, der Wert­bildung und der Waren­­welt, also des Marktes. Für alle Austausch­prozesse zwischen Geld- und Warenbesitzern gelten die Bedingungen des Waren­aus­tausches überhaupt. Als Geld ist das Geld eine privilegierte Ware, die öffent­liche Funktionen in der Wirtschafts­gesellschaft erfüllt. Als Kapital endlich hat sich das Geld von einem Mittel zum Zweck schlechthin emanzipiert. Weil das Geld als Geld Maß aller Werte ist, dient es in seiner stofflichen Gestalt als Mittel der Wert­­auf­bewahrung, somit als Reserve- oder Schatz­bildungs­mittel . Neben der Schatz­bildungs­­funk­tion erfüllt das Geld als Geld die Auf­gaben des Zirkulations­mittels, indem es den Aus­tausch zweier Waren vermittelt, und des Zahlungs­mittels, als das es sich von sich selbst unterscheidet und sich in Zahlungs­ver­sprechen (0,0)0 und wirk­liches Zahlungs­mittel (G,W)0 verdoppelt:
  • (G,W)1 = (G,W)0 = (G,W)2
  • Zirkulationsmittel,
  • (G,W)1 = (0,0)0 = (G,W)0
  • Zahlungsmittel.
Kapital C entsteht durch Umkehrung der Zir­kulations­mittel­funktion des Geldes, C := ((G,W)0 = (G,W)1 = '(G,W)0) , ist also der doppelte Aus­tausch von Geld gegen Ware und von Ware gegen mehr Geld, wobei so­wohl die allgemeine Aus­tausch­bedingung W0 = W1 = 'W0 gilt, als auch die speziellen Aus­tausch­bedingungen des Geldes als Kapital, W0 < 'W0 und G0 < 'G0 so daß die Ungleichheit von W1 mit sich selber folgt. Ein mit sich selbst ungleicher Wert ist aber keine statische Größe, sondern ein Wert­bildungs­prozeß, oder, bei einem schon gebildeten Wert, dessen Verwertungs­prozeß. Erwerb und produktive Konsumtion der Ware Arbeits­kraft (G,W)v ermöglicht die Erfüllung aller Aus­tausch­bedingungen des Geldes als Kapital C: Kapital C als Prozeß - Bild 1 Die Differenz aus Arbeitskraftwert Wv und Produktwert W1 ist der Mehrwert Wm. Der Preis dieses Mehrwerts ist das Mehrgeld G0.m = 'G0 — G0.